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Gärtnerei

Es grünt so grün

Nach der Fleischerei nun die Gärtnerei. Bernhard Hötzl und sein Team haben eine zweite Adresse eröffnet. Dabei spielt Gemüse die Hauptrolle

Die Torstraße galt mal kulinarisch als Hot Spot. Aber im Laufe der Zeit haben andere Ecken dieser Meile den Rang abgelaufen. Da nützt auch kein Michelin-Stern für das Bandol sur Mer. Ein paar Gastronomen haben weiterhin ihr Glück mit unspektakulären Konzepten versucht, manche halten sich wacker, manche sind gescheitert. Der Gärtnerei wird das kaum passieren. Bernhard Hötzl ist ein erfahrener Gastronom und hat sich mit der Fleischerei in Mitte erfolgreich durchgebissen. Ohne sich irgendeinem Trend anzubiedern. Mit der Gärtnerei eröffnet er genau zur richtigen Zeit in Berlin, die auch als Hauptstadt der Vegetarier und Veganer gilt. Gemüse spielt also die Hauptrolle. In dem neuen Restaurant, dessen Inneneinrichtung aus einer unaufdringlichen Mixture aus klassischer Eleganz und rustikaler Natürlichkeit besteht.

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Sicher, es gibt noch ein paar Stellschrauben, die nachjustiert werden müssen. Bei einem ersten Besuch hat sich herausgestellt, dass die hübschen Keramikschalen nicht für ein Fischgericht geeignet sind, will der Gast mit Messer und Gabel essen. Hötzl meint, das gäbe es so nicht mehr. Demzufolge steht dem Genuss von Saibling mit Erbspüree und mit Estragonöl und Speck aromatisierter Buttermilch nichts im Wege. In der Küche führt Sebastian Radke Regie. Er hat früher hier um die Ecke, im Trois Minutes sur mer sowie im Mani gearbeitet und im Neuköllner Eins 44 einen respektablen Ruf erwirtschaftet. Zuverlässig setzt er saisonale Gemüse mit feinen Arrangements in Szene. Es stehen auch Gerichte mit Fisch und Fleisch zu Auswahl. Die sind auf den Punkt gegart.

Davor serviert Linda Stößer schon mal gleich Brot mit aufgeschlagener Fenchelbutter und einem Türmchen Blätter obenauf, danach eine Gemüse-Consommé, die mit einem Ei legiert wird. Auch Stößer ist keine Unbekannte in Berlin. Nach Stationen im Lochners, damals am Lützowplatz, im ehemaligen Hartmanns und im Schneeweiß hat sie sich von der Gastronomie ein Auszeit genommen. Sie war Geschäftsführerin vom Liqui­drom.

Doch dann reizte sie das Angebot wieder in ihren alten Job zurückzukehren. Und das ist gut so. Denn die ehemalige Fußballerin weiß nicht nur wie sie ihr Team trainieren muss, sie hat auch eine direkte, charmante Art, auf die Gäste zuzugehen. Und es macht ihr sichtlich Spaß, zu den Gerichten die entsprechenden Weine zu empfehlen. Dabei kann sie aus dem Vollen schöpfen. Aus dem Fundus österreichischer Weine, den Bernhard Hötzl mit seinem Weinhandel angelegt hat. (emh)

Gärtnerei
Torstraße 179, Mitte, Tel. 030 24 63 14 50, www.gaertnerei-berlin.com,
Speisen von 10 bis 21 €, Glas Wein (0,125 l) ab 4 €