Fotos: Selina Schrader Aufmacher Shishi
Shishi

Tel Aviv liegt in Kreuzberg

Das neu eröffnete Shishi serviert moderne israelische Küche mit Produkten aus dem Berliner Umland

Es ist ein offenes Metalltor an der Ritterstraße, durch das man hindurch muss. Dann stehen im zweiten Innenhof leuchtend azurblaue, schwere Holztische und -bänke, die den Weg zum versteckt liegenden Shishi weisen. Innen hat sich Besitzerin Shani Ahiel zusammen mit Designer Idan Gilony ein Konzept überlegt, dass ihre Haltung widerspiegeln soll: „Ich wollte einen Ort schaffen, an dem ich mich und meine Ideale präsentieren kann. Es sollte feminin, aber auch klassisch – einfach besonders werden. Ich wollte etwas von Frauen für Frauen schaffen. Sie und alle anderen sollen sich hier wohlfühlen und feiern können.“ Ausgestattet ist das Restaurant nun mit schlichten Holztischen und -stühlen, die vom Flohmarkt stammen könnten und einen Kontrast zu den schweren pinkfarbenen Samtvorhängen und knallpinken exotischen Blumen bilden. Es ist bereits der zweite Laden der gebürtigen Israelin, die schon mit dem Yafo in Mitte israelische Küche in Berlin populär gemacht hat.

Shishi, das im Hebräischen übrigens Freitag bedeutet, soll der Ort werden, an dem man sich nicht zwischen Drinks oder guten Speisen entscheiden muss, sondern an dem man unter anderem auch zum traditionell jüdischen Freitagsdinner zusammenkommt und das Leben zelebriert. Genau diese Lebensart und natürlich auch die Küche hat sie ihrem Chefkoch Francisco Hernandez in Tel Aviv gezeigt.

Und auch wenn er selber keine jüdischen oder israelischen Wurzeln hat, hat er es verstanden, diese Eindrücke in Gerichte umzusetzen, die den Fokus auf das Produkt und abgerundeten Geschmack legen. „Bei uns werden alle Produkte in Bio-Qualität verarbeitet und so weit wie möglich kommen diese aus der Region. Unsere Gewürze wie Sumach oder Razel-Hanout haben wir aus Israel, das Olivenöl aus Griechenland. Qualität schmeckt man“, erzählt die 32-Jährige. Und wenn etwas nicht der Qualität entspricht, kommt es auch nicht auf die Karte. So wie an diesem Tag das Lamm. Stattdessen serviert uns Hernandez ein Tatar vom 60 Tage trocken gereiftem Rind. Dazu gibt es Eigelb, Sumach-Zwiebeln und knuspriges Brot. Das schmeckt nicht nur wegen des typischen Gewürzes besonders. Auch das Rindfleisch selber überzeugt mit Geschmack, der unbekannt intensiv ist.

Shishi 1

Auf der überschaubaren Karte stehen aber auch vegetarische Gerichte, die – wie man es kennt – als „sharing dish“ serviert werden. Wir testen auch noch den gegrillten Kohlrabi, der mit Sesam, Frischkäse, Thymian und grüner Chili auf einem flachen Teller gereicht wird. In dicke Scheiben geschnitten, ist der Kohlrabi durchgegart, schmeckt mild und passt zum cremigen Sesam. Die Chili sorgt für den originellen Twist.

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Unser Highlight des Abends ist aber das Carpaccio von Rote Bete und Pfirsich, das mit gerösteten Haselnüssen und Crème fraîche vom Erdhof Seewalde serviert wird. Es ist ein ausgewogenes Spiel der Geschmacks­richtungen und Texturen. Als süßen Abschluss darf man auf das landestypische Malabi nicht verzichten. Der Pudding, der aus Rohmilch hergestellt und mit Rosensirup und natürlich pinken Rosen serviert wird, überzeugt uns mit einer feinen Balance zwischen zarter Cremigkeit und blumiger Süße, ohne dabei künstlich oder aufdringlich zu sein.

Zu all den Speisen genießen wir einen exzellenten Naturwein, den Coenobium, der passenderweise von Nonnen hergestellt wird. Überhaupt stehen nur Naturweine auf der Karte. Wer Wein nicht mag, dem seien die Drinks wie der Earl-Grey-Martini ans Herz gelegt. So kann der Tag auf jeden Fall perfekt ausklingen. (Rebecca Hoffmann)

Shishi
Ritterstraße 12-14 (Hinterhof), Kreuzberg, www.shishiberlin.de, Mo-Fr ab 12 Uhr, Speisen 8 bis 18 €, Glas Wein (0,1 l) ab 4,50 €