Foto: Stanley Diamond Aufmacher Frankfurt am Main
Frankfurt am Main

Eines ist klar: Die Bankenhauptstadt leidet an einem überregionalen Imageproblem. Ödnis, Provinzialität und Hässlichkeit werden der Stadt gerne – gerade von BerlinerInnen – unterstellt. Dass die Stadt kulturell und gastronomisch ständig in Bewegung ist und sich immer wieder spannende neue Konzepte auftun, wissen die meisten Menschen nicht. Allein das Bahnhofsviertel, Rotlichtviertel und Szeneviertel zugleich, stand als Geheimtipp in der New York Times. Vielleicht sollte sich der ein oder andere Skeptiker auf die Tipps der Autorin Ubin Eoh verlassen

Foto: Stanley Diamond Stanley Diamond 1

Grüne Sauce Deluxe

Wenn man vom Hauptbahnhof kommt und in die eher trostlose Ottostraße einbiegt, erwartet man kaum so etwas wie das Stanley Diamond. Allein der Raum beeindruckt: Eyecatcher sind die lange Marmorwand, eine messing­farbene, bunt schimmernde Decken­installation, rosa Beton und die rot leuchtende Showküche. Ein schönes Ritual nach einer langen Zugfahrt ist es, sich direkt an die hauseigene Bar zu setzen. Bei den Barkeepern fühlt man sich gut aufgehoben, die drei Stunden Zugverspätung sind längst vergessen. Besonders empfehlenswert: der Espresso Martini oder hausgemachter Vanille-Limoncello.

Foto: Stanley Diamond Stanley Diamond 3

Auf der Karte stehen Klassiker wie das Back­hendl vom Odenwalder Huhn, Bœuf Bourguignon oder Räucher­forellen­sandwich aus dem Taunus, die Küchen­chef Alex Nixdorf auf eigene Weise umsetzt – oft mit einem Touch Frankfurt, in Form einer köstlichen Grünen Sauce zum Beispiel. Die Karte wechselt regelmäßig – sollte das Wiener Schnitzel angeboten werden, unbedingt zugreifen: Die knusprig-buttrige Panade und das perfekt geklopfte Kalbs­fleisch lassen einen noch Tage später daran zurück­denken. Ein weiteres Highlight: eine eigene Interpre­tation vom Nutella­brot, mit Valrhona-Caraibe-Schokolade, Hefe­parfait und Sauerteig-Crunch. Die großen Weinkühl­schränke stecken außerdem voller Natur­wein­überraschungen, am besten von der Sommelière Nina Birk beraten lassen. Das Stanley ist ein Ort, an dem man beides kann: schick ausgehen und casual abhängen.

Stanley Diamond
Ottostraße 16–18, 60329 Frankfurt am Main, Tel. +069 26 94 28 92, www.stanleydiamond.com, Di–Do 18–23 Uhr, Fr–Sa 18–24 Uhr, Speisen ab 10 €


Foto: Amp Amp

Latenight-Pilgerstätte

Jeder hat in seiner Stadt die eine Absackerbar – da, wo man zum Schluss des Abends immer landet. In Frankfurt ist die Amp Bar im Bahnhofs­viertel für viele dieser spätabendliche Pilgerort, unter der Woche genauso wie am Wochenende. Die Bar mutiert des Öfteren zum Club, in dem namhafte DJs auflegen, von Roman Flügel über Mitbesitzer Ata Macias, der Godfather der Frankfurter Clubszene und Robert Johnson Gründer. Auch ohne DJ funktioniert das Amp gut – schon ab 17 Uhr kann man von der regelmäßig wechselnden Barkarte selbst kreierte Signature Drinks wie den „El Chapo“ auswählen, mit Tequila, Bio-Ananassaft, Bio-Limette und Salbei. Im Amp fühlt es sich ein bisschen so an wie in einem Parallel­universum: Das retro­futuristische Interieur mit schwarzen Wänden, die in Kontrast zu Neonfarben stehen, kantigen Sitzmöbeln und zeit­genössischer Kunst von Tobias Rehberger oder Stefan Marx lässt einen schnell den Alltag vergessen. Was will man mehr?

Amp
Gallusanlage 2, 60329 Frankfurt am Main, www.facebook.com/ampyourself/, Mo–Sa 17–1 Uhr


Foto: Dieter Schwer Libertine Lindenberg

Heimat auf Zeit

Alt-Sachsen­hausen steht für traditions­reiche Apfel­wein­kneipen und hübsche alte Fachwerk­häuser ebenso wie für Etablisse­ments wie das Hooters und Shots-für-1-Euro-Bars. Inmitten dieser interessanten Mischung steht das Libertine Lindenberg – ein Hybrid aus Hotel und WG, sprich eine „Gäste­gemein­schaft mit den Service­features eines Hotels“. Auf sieben Etagen kann man in liebe­voll designten Altbau-Maisonetten und Suiten wohnen, ob für eine Nacht oder mehrere Jahre spielt keine Rolle. In dem Haus gibt es ein öffentliches Wohnzimmercafé mit Deftigem wie getrüffelter Schwarzwurzel­suppe und Stullen, im Dachgeschoss eine Küchen­landschaft mit eigenem Tante-Emma-„Lekker Lädchen“, wo Selbst­gemachtes von der eigenen Farm angeboten wird. Im untersten Stock kann der Gast im Tonstudio musizieren, Filme schauen oder sich im Turnraum sportlich ertüchtigen. Wenn man Anschluss sucht, bietet sich die große Küche an, um mit den anderen Gästen zusammen zu kochen. Wer es intimer mag, kann einen privaten Hauskoch beauftragen. Eine Ecke weiter haben in den letzten Monaten schöne Bar­konzepte eröffnet, wie die Natur­weinbar Showmanship oder das Bonechina. Von mietbaren Fahrrädern über eine Vintagevespa zum Caravan – die Vehikel werden gestellt, um rauszukommen und sich dann wieder auf das temporäre Zuhause zu freuen.

Libertine Lindenberg
Frankensteiner Straße 20, 60594 Frankfurt am Main, Tel. 069 661 61 550, www.das-lindenberg.de, Übernachtungen ab 79 €