Fotos: Clemens Porikys Aufmacher Ricarda Farnbacher
Ricarda Farnbacher

„Berlin war früher Bronx, heute ist es Manhattan“

Ob exklusiv auf der Dachterrasse des Weekend am Alex in 83 Metern Höhe oder in den angesagten Wilhelmstudios in Pankow: Ricarda Farnbacher ist seit vielen Jahren in Berlin eine Catering-Institution. Aber es war nicht immer einfach ...

Konferenzen mit Festival-Charakter in der Heeresbäckerei Kreuzberg, Brandlaunches im Club Bricks unter dem Hilton am Gendarmen­markt oder Firmenfeiern im Prince Charles am Moritzplatz: „Mir geht’s immer um das Gesamterlebnis.“ Ihr Kerngeschäft liegt zwischen 200 und 1000 Gästen, „aber bis zu 2000 Gäste kann ich bedienen“. Rund 120 Veranstaltungen realisiert sie im Jahr.

Los ging’s klein: „Ich habe neben der Schule in München im Biergarten gejobbt, bin 2006 fürs Politikstudium nach Berlin gekommen und habe nebenbei eigentlich immer gekellnert“, erzählt die gebürtige Starnbergerin. Das Studium hat sie abgeschlossen. Bringt ihr die akademische Ausbildung etwas fürs Unternehmen? „Ja, absolut. Events sind von der Weltsituation abhängig. Wenn Russland die Ukraine überfällt, eine Gaskrise ausbricht oder Trump Zölle ausruft, brechen die Umsätze ein. Da werden Veranstaltungen zurückgestellt.“


„Wir sind eine Spaßbranche. Man kann zu Kriegszeiten keine Party feiern“

Warum? – „Wir sind eine Spaßbranche. Man kann zu Kriegszeiten keine Party feiern.“ Sie beobachtet das Weltgeschehen aufmerksam: „Gesetzestexte lesen können, Presse­mitteilungen verstehen – das ist super hilfreich. Alles, was auf der Welt passiert, hat Einfluss auf mein Business. Ich gehe an alles sehr analytisch heran, auch das habe ich im Studium gelernt“, sagt die Diplom-Politologin.

In den 2000er- und 2010er-Jahren arbeitete sie im legendären Rodeo im Alten Postfuhramt, organisierte Events, sorgte fürs Essen und Personal. Das sprach sich schnell herum. „Ich hatte aber nicht nur Glück. Ich habe gemerkt, wie leicht es damals war, Geld zu verdienen. Netzwerken funktionierte super – das wäre in München oder Hamburg so nicht passiert. Hier war vieles unkommerzieller, der Kuchen war groß. Und alle haben etwas abbekommen.“ Das Rodeo in Mitte war ein Ort, an dem „die Krankenschwester oder der Student mit Unternehmern oder Stars wie Quentin Tarantino feierten“, erinnert sie sich.

Farnbacher 1

Farnbacher hatte früh einen eigenen Ansatz für ihre Events: „Clubflächen mit einer bestehenden Infrastruktur zu nutzen – Starkstrom, Mobiliar, Licht- und Soundtechnik – das alles ist im Club ja schon vorhanden“, erklärt sie.

Berlin war damals arm, aber sexy: „Die Firmen kamen aus ganz Deutschland für ihre Veranstaltungen nach Berlin. MTV rief an. Die wollten keine öden Agenturtypen, sondern coole Berlin-Events. Da habe ich gemerkt, dass mein System funktioniert.“

Das gilt bis heute: „Die Leute wollen wissen, wie Berlin funktioniert. Wenn du offen und kreativ bist, ist das gefragt“, sagt Farnbacher. Auch die Kreativität auf dem Teller hat Priorität. Sie serviert etwa Kroketten mit gezupfter Ente auf schwarzen Kichererbsen mit Preiselbeer-Mayo, Basilikum-Arancini mit flüssigem Taleggio-Käse und gehobeltem Trüffel oder eine Tostada mit Roastbeef.

2015 gründete sie die „Ricarda Farnbacher Event Catering Location GmbH“. „Event“ steht am Anfang, weil das der Fokus ist – bis heute. Denn es geht ihr nicht um die schlichte Essens- und Getränkeversorgung, sondern um ein individuell auf den Kunden zugeschnittenes Erlebnis. Von der Location über Möblierung und Floristik bis zur Dramaturgie des Abends: „Ein Dinner ist eine Inszenierung“, sagt sie.


„Wenn ich spüre, der Kunde und ich passen nicht, dann lasse ich es“

Ein festes Angebot, aus dem Kunden etwas auswählen, gibt es bei ihr nicht. Jede Anfrage wird individuell konzipiert, und sie erhebt eine Concept Fee, eine Gebühr fürs Konzept.

Früher hatte sie ein, zwei Freelancer, heute beschäftigt sie rund 20 Angestellte: zehn im Catering, fünf im Eventmanagement, außerdem Buchhaltung und weitere Bereiche. Das bedeutet einen hohen fünfstelligen Fixkostenbetrag im Monat, vor allem Personalkosten. Und das erzeugt Druck.

Dann kam Corona. „Corona war schlimm. Ein harter Bruch.“ Aber sie hat sich wieder aufgerappelt. „Und ich habe mich im Umsatz verzehnfacht – von sechsstellig zu siebenstellig.“ Doch es geht ihr nicht ums Geldverdienen um jeden Preis: „Ich muss nicht immer mehr Gewinn machen, nicht auf Biegen und Brechen wachsen. Ich will lieben, was ich tue.“

Ihr ideales Event ist nicht das mit maximalem Gewinn, sondern „eins, auf das ich auch privat Lust hätte – wenn ich Fotos machen, es posten möchte, dann ist es perfekt“, sagt Farnbacher.

Wenn sie eine Anfrage bekommt, fragt sie sich: „Kann ich hier glänzen, würde ich hier gerne hingehen?“ Auch eine wertschätzende Zusammenarbeit ist ihr wichtig – in den drei Phasen Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung. „Ich bin sehr diszipliniert und nachhaltig, dadurch wirken meine Events leicht und mühelos.“

Sie lehnt auch Kunden ab: „Ich entscheide, was ich mache – das ist eine Luxusposition, die man aushalten muss. Aber wenn ich spüre, der Kunde und ich passen nicht, dann lasse ich es.“


Farnbacher 2
„Heute ist Berlin sexy und teuer – aber ich bin immer noch verliebt“

Auch privat muss sie perfekt organisiert sein – als Mutter eines schulpflichtigen Kindes. „Es ist ein Spagat. Man braucht Hilfe und muss gut strukturiert sein. Wenn man Unternehmerin ist und ein Kind hat, sind die Verpflichtungen anders. Ich habe Babysitter und viele Freunde – jede Woche wird genau durchgeplant.“

Wie haben sich die Kundenwünsche über die Jahre verändert? „Vegan, alkoholfrei, glutenfrei – das ist Standard geworden. Dazu gekommen ist die ausdrückliche Allergenkennzeichnung seit Corona.“

Und was ist gerade angesagt? „Austern und Bubbles gehen immer!“, sagt Farnbacher.

Was ist der Status quo fürs Eventbusiness in Berlin? „Früher sind die Firmen nach Berlin gekommen, weil es hier günstig war – Keller aufsperren und Anlage rein, das gibt’s nicht mehr“, erklärt sie. „Viele Veranstaltungen finden heute auch leider nicht mehr in Berlin statt, weil die Messen, Hotels und Flugverbindungen so teuer geworden sind.“

„Berlin war früher Bronx, heute ist es Manhattan“, sagt Ricarda Farnbacher. „Heute ist Berlin sexy und teuer – aber ich bin immer noch verliebt.“ (Stefanie Hofeditz)

Ricarda Farnbacher
Event Catering Location GmbH, Wichertstraße 19, Prenzlauer Berg, www.ricardafarnbacher.com


Auf Facebook teilen    Per Mail teilen     Auf LinkedIn teilen