Foto: Johannes Jost / AXICA Aufmacher Marc Mundstock
Marc Mundstock

„Heute Gourmet­tempel oder morgen Kiezkneipe“

Berlin ist (fast) alles. In unserer neuen Reihe lassen wir die Berlin-Macher*innen erzählen, was sie an der Hauptstadt wirklich schätzen – oder eben gar nicht. Jedes Stilmittel ist recht. Marc Mundstock macht den Anfang. Er ist Geschäftsführer von AXICA, dem Kongress- und Tagungs­zentrum am Pariser Platz und zählt zu den einflussreichsten Veranstaltungsmanagern Berlins. Seine Schwerpunkte liegen in der Leitung inno­vativer Eventprojekte, Netzwerk-Arbeit und strategischer Weiterentwicklung der Branche. Die Gastro-, Event- und Tourismusbranche kennt ihn

Foto: Janina Avramidis-Steinmetz / AXICA Marc Mundstock

Würde ich ein Restaurant eröffnen, würde ich es einfach „Berlin“ nennen. Kein Firlefanz, sondern ein einziges Signature-Menü, das diese Stadt in sieben Portionen auftischt ...


1. Gang: Die Welt im Kochtopf

Im ersten Gang vereint sich die kulinarische Vielfalt der Stadt. Düfte, Genüsse dieser diversen Stadt. Das Stadtbild in einem Gang. Eine Hommage an jeden, der mutig genug war, in diese Stadt zu kommen und seine kulinarische Heimat mitgebracht hat.


2. Gang: immer bemüht, manchmal ungenießbar

Der zweite Gang spiegelt die Menschen wider, Berliner, herzlich, rau, laut, freundlich-stolz und manchmal von sich selbst und der Stadt enttäuscht. Manchmal bleibt uns Berlinern die eigene Stadt im Halse stecken.


3. Gang: Sauce oder Suppe, Hauptsache Durchblick behalten

Es ist die Suppe, in der wir manchmal schwimmen und nicht über den Tellerrand hinausgucken, etwas Kräftiges, Trübes, was uns oft die eigene Zukunft nicht klar sehen lässt.


4. Gang: L...ecker Allerlei

In einer anderen Stadt „Allerlei“ sagen, das meint in Berlin aber den Klungel, den Berliner Filz, das Hinterzimmer, weil immer noch – und trotz aller tollen Netzwerke und Verbindungen – für das eigene, individuelle Bild mehr eingeflüstert, als dass für das große Ganze gemeinsam an einem Strang gezogen wird.


5. Gang: Man sieht die Stadt vor lauter B...stellen nicht

Der Hauptgang ist das unfassbare Potential, welches in unseren Baustellen und der maroden Infrastruktur oft untergeht. Allerdings sind die meisten Baustellen nur in unseren Köpfen und der Schlüssel des Ganges liegt wahrscheinlich in der Einfachheit des Rezeptes, es benötigt nur etwas Mut und eine große Menge „Machen statt Quatschen“.


Das Dessert:

Es bringt all die Süße und Schönheit dieser Stadt auf den Punkt, ein wahres Potpourri an Attraktionen, Sehenswertem, Erkundbarem mit einem Hauch Sexyness und dem Verruchten der goldenen Jahre.


Der Käsegang:

Käse schließt eben nicht den Magen, wir haben diese Stadt noch lange nicht satt, ganz im Gegenteil: Es ist eben nicht alles Käse in dieser Stadt.


Würde ich dieses Restaurant „Berlin“ eröffnen, würde ich jeden Tag entscheiden können, ob ich heute Gourmettempel oder morgen Kiezkneipe bin.

Meine Servicecrew bestünde mit Sicherheit aus den unfassbaren Charakteren, die diese Stadt immer wieder hervorbringt, Gastgeber und Liebhabende unserer Stadt. Herzlich Willkommen an den vielen Türen des „Berlin“, dem BER, dem HBF...

Die Köche würden jeden Tag die Gerichte mit Zuversicht, Ideen, Schärfe und Einzigartigkeit abschmecken. Zweifel, Streit, Egoismus und „immer alles wie früher“ käme nicht an das Essen. Wir kochen weder „anderen nach“, noch würden wir „Aufgewärmtes“ servieren.

Die wichtigsten Menschen im „Berlin“ sind die, die man nie sieht. Die Menschen hinter den Kulissen dieser Stadt, die sie am Laufen halten, die sich immer in den Dienst der Sache stellen und das „Berlin“ sehr sportlich sehen und es nehmen, wie kommt.

Zu Gast wäre die Welt: die Welt aus Wilmersdorf oder Lichtenberg, aus New York oder Asien, egal woher … unser Restaurant hat nicht nur Strahlkraft, sondern jeder darf sich die Freiheit nehmen, an unseren Tischen Platz zu nehmen. Dieser Laden ist kein Slogan, man isst, was auf den Tisch kommt. Dit is Berlin.

Und dann kommen die Tester, Denker, Macher und Ideengeber, Innovatoren und sogar das Geld in das „Berlin“.

Ja, für diese Typen straffen wir etwas den Rücken, zuppeln die Tischdecke gerade und sind hellwach. Diese Typen, fordern den Status quo unseres „Berlin“ heraus, wollen noch mehr aus uns herausholen.

Aber wer macht schon, was andere von uns erwarten, wenn unsere Erwartung an uns selbst größer, authentischer und mutiger ist.


Übrigens: Ich mache kein Restaurant auf. Berlin existiert längst, und ich bin glücklich genau hier – mitten in dieser ständig köchelnden AXICA.


Foto: Johannes Jost / AXICA AXICA

AXICA
Kongress- und Tagungszentrum, Pariser Platz 3, Mitte, www.axica.de.
Die AXICA ist eine nachhaltig agierende Eventlocation mit Premium-Catering direkt am Brandenburger Tor. In der ausdrucksvollen Architektur finden Kongresse, Tagungen, Preisverleihungen und Galas für bis zu 600 Personen Platz.


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