Foto: Selina Schrader Aufmacher Refueat
Wegbereiter

Foto: Selina Schrader Refueat

„Wir schlagen mit unserem Essen Brücken und sind eine kulinarische Bereicherung“

Aymann Azzawi, der Initiator von Refueat

Er hat Ausdauer und hält an der Idee fest, von der er überzeugt ist. Aymann Azzawi beobachtete, dass es seine Landsleute in Berlin nicht so einfach haben. „Ich will mich nicht für mein Engagement für Flüchtlinge brüsten.“ Er will die Situation der Berliner Syrer verbessern. Sie sollen eine Perspektive erhalten, ihren Lebensunterhalt verdienen. Und Essen sei eine Brücke, dabei käme man ins Gespräch. Zudem hätten die Flüchtlinge etwas zu bieten mit ihrer Küche aus ihrer Heimat.

Vor drei Jahren stand er sechs Monate lang mit dem Food-Bike auf dem Markt am Hermannplatz. Mit mäßigem Erfolg. Vielleicht lag es an der kalten Jahreszeit, im Winter läuft Streetfood wohl nicht so gut. Doch dann haben ihn die Medien entdeckt, erst die Berliner Tageszeitungen, dann das Fernsehen. „Wir wurden daraufhin für verschiedene Events gebucht“, so Aymann Azzawi. Das entwickelte sich so erfolgreich, dass klar wurde, wohin die Reise geht. Mit einem guten Freund der Familie, mit Constantin Bartning, entstand das Fundament des Cateringunternehmens Refueat.

Das Geld war knapp, ein Foodtruck kam deshalb nicht in Frage. Das bedeutete, dass noch ein Fahrrad umgebaut werden musste. Jedes Bike ist eine Kochstation, kann 250 Kilogramm Lebensmittel transportieren und einen zusammenklappbaren Pavillon von drei auf sechs Meter verstauen. Ein Foodbike von Refueat kann 500 Leute verköstigen. Wichtig ist ihm die Feststellung, dass wir „vor Ort auf unseren Foodbikes grillen, braten und kochen. Für manche Veranstaltungen liefern wir fertig zubereitete Speisen mit biologisch abbaubarem Einweggeschirr.“

Dieses Modell von Food-Bike hat Azzawi gemeinsam mit Bartning entwickelt und gebaut. Die bestehenden Modelle sind mehr auf Design als auf Funktion ausgerichtet. Mittlerweile hat eine syrische Familie in Mannheim großen Gefallen an der Idee gefunden und zwei Fahrräder übernommen. Mittlerweile sind es sechs Stück, die zu den Events fahren, das siebte und achte ist in Arbeit.

Azzawi kann stolz sein. Seine Mitarbeiter verdienen gut, sie bekommen mehr als den Mindestlohn. Alles steht auf finanziell sicheren Füßen, das Cateringgeschäft und der vor einem Monat eröffnete Imbiss. Azzawi möchte in Zukunft auch ausbilden. Denn es werden alle genommen, egal ob sie beruflich vorgebildet sind oder nicht. „Qualifikation spielt kaum eine Rolle, ob sie mit Engagement etwas lernen wollen, das ist die Vorraussetzung.“ Und das sei ja in der heutigenZeit generell schwierig. Komplizierter sei es auch, andere Flüchtlinge wie Afghanen oder Iraner zu beschäftigen. Sie bekommen meist keine Aufenthaltsgenehmigung, da sie als Wirtschaftsflüchtlinge gelten. „Der bürokratische Aufwand ist jetzt schon enorm, wir können gegen weitere Hindernisse nicht ankämpfen.“ (emh)

Refueat Catering und Imbiss
Bautzener Straße 40, Schöneberg, Tel. 0176 241 243 66, www.refueat.de


Foto: Selina Schrader Rolf-Friedrich Stengel

„In der Stadt funktioniert die Bio-Imkerei noch“

Rolf-Friedrich Stengel, Berufsimker

Mit ihm ins Gespräch zu kommen ist ganz einfach. Er steht im Tiergarten, in der Nähe vom Eingang des Cafés am Neuen See. Zudem fallen die Honiggläser sofort durch das originelle Logo auf. Der Berliner Bär hat eine Biene als Auge. Rolf-Friedrich Stengel ist seit drei Jahren professioneller Stadtimker und weiß wovon er spricht. Dort drüben sei ein Völkchen, er zeigt in Richtung Tiergarten zu einem Gebüsch.

Insgesamt sind es aktuell rund 130 Wirtschaftsvölker, die er fachkundig betreut. Wirtschaftsvolk bedeutet, dass die Biene ein Jahr überlebt hat und Honig für eine Ernte bereit hält. Rund 2,5 Tonnen Honig produziert der gebürtige Badener im Jahr. Was im ersten Moment viel erscheint, reicht gerade mal für den Verbrauch von 2.500 Kunden. Im Schnitt verbraucht der Deutsche ein Kilogramm Honig im Jahr.

Ein großes Lob erteilt er dem Grünflächenamt, den Gärtnern, die für den Tiergarten zuständig sind. „Ich habe einen Gärtner morgens bei Laufen angesprochen, der hat mir die Kontaktdaten gegeben, nach einem Telefonat und anschließender E-Mail habe ich mich mit dem Revierleiter, Herr Schwenke, am nächsten Tag getroffen und nachdem ich erklärt habe, dass der Honig bei den Mosaik-Werkstätten für Behinderte mit viel Liebe zum Detail verarbeitet wird, war alles klar.“ Gerade mal 24 Stunden hätte das mit der Genehmigung gedauert. Weitere Standorte sind im Bezirk Tiergarten die Lützowstraße und die Karl-Bonhoeffer-Klinik in Reinickendorf. Letztere musste als Ausweichmöglichkeit herhalten, was dem Imker aufgrund der zurückzulegenden Foodmiles nicht so recht ist. Aber die Schulleitung in der Kurfürstenstraße, dem ehemaligen Standort, hatte Bedenken, dass die Bienen die Schüler stechen würden. Also musste Stengel mit seinen Völkern ausweichen.

Was an der Stadtimkerei von Vorteil ist? Das sei der Dokumentationsaufwand beim Bio-Honig. Auf dem Land muss jeder Acker, jedes Feld im Radius von drei Kilometern dokumentiert werden. Wer, was, wie viel düngt. So hätte sich der befreundete Brandenburger Imker Sebastian Seusing Anfang desJahres noch über ein Feld voller Löwenzahn gefreut, nach ein paar Wochen war der weggespritzt. Nach einer Analyse hat der Wert des Glyphosat die Mindestmenge um das Hundertfache überschritten, war also nicht vermarktbar.

„Das bleibt mir als Stadtimker erspart, ich muss den Bio-Kontrolleuren nur den Stadtplan hinlegen, dann schmunzeln sie schon. Kein Feld, kein Ackerbau, keine Belastungen.“ Probleme macht jedoch der Klimawandel. Die Stadtbäume leiden darunter. Die häufig in Berlin vorkommende Winterlinde wird es nicht mehr lange schaffen, glaubt Stengel. Die Rosskastanien leiden auch unter der frühen Hitze und Trockenheit, die wiederum das Wachstum der Minimier-Motte und einem Pilzschädling anregen. Die Stadtgärtner sind schon auf der Suche nach neuen Baumarten.

Was er von den Hobby-Imkern hält? Er wünscht sich, dass diese eine solide Ausbildung absolvieren würden und nicht nur mal gerade an fünf Samstagen eine kurze Einführung erhielten. Das wird zu einfach dargestellt. (emh)

Rolfs Honig
www.rolfshonig.de, samstags auf dem Winterfeldtmarkt, sonntags im Tiergarten, in der Nähe vom Eingang Café am Neuen See, Lichtensteinallee 2


Fotos: Selina Schrader Julia Böning

„Wir sind unabhängige Weinscouts und beraten sowohl Privatmenschen, aber auch Restaurantbetreiber sowie Cafébesitzer“

Julia Böning, Gründerin von Treat

Noch warten sie auf den Van von Citroën. Er wird in einer Werkstatt repariert und restauriert. Der soll aber demnächst bei Events als Weinbar fungieren und das Unternehmen Treat und dessen Sortiment bekannt machen. Bisher ist der Online-Shop das Aushängeschild und Beweis des Fachwissens von Julia Böning. Sie ist Wein-Expertin, hat den Award von WSET (Wine School Education Trust London) erhalten und bei der IHK (Industrie- und Handelskammer) die Prüfung als Sommelière abgelegt.

Zum Wein ist sie durch privates Interesse gekommen. Ihr Vater, ein begeisterter Weinliebhaber, hätte immer ein paar Flaschen bei seinen Besuchen mitgebracht. In der damaligen Hamburger Wohnung hätte es im Treppenhaus eine Kammer gegeben, in der hat Julia Böning die Flaschen gelagert. Mit der Zeit bestellte sie je nach Vorlieben die Weine nach, bis die Kammer zu einem Weinkeller wurde. Das bekamen die Nachbarn mit und das Ganze hätte sich verselbstständigt. Diese erhielten einen Schlüssel, um ihren Bedarf zu decken. „Das geschah auf Vertrauensbasis, mit Strichliste und entsprechender Abrechnung.“ Das wiederum bekam das Nachbarhaus mit und so erweiterte sich der Kundenkreis und der Umfang der Bestellliste für die Winzer. Warum das also nicht als Geschäftsidee fortführen?

Mit dem Umzug nach Berlin entstand so Treat, übersetzen kann man das mit Genuss. Und die Wahlberlinerin hat bereits erste Kunden beraten, so z.B. Lamifa, das Restaurant im Anomalie Club. Der Fokus liegt dabei auf Beratung. „Es geht nicht darum, ein festgelegtes Sortiment zu verkaufen, wenn passende Weine aus unserem Sortiment dabei sind, ist das schön. Das ist aus den eigenen Vorlieben entstanden.“ Aber Julia Böning geht es vorrangig um ein angemessenes Angebot, das zum Gastronomie-Konzept und zur Stilistik der Küche passt. (emh)

Treat
www.treat.berlin


Foto: Kamil Rutkowski Kristof Mulack

„Ich bin immer noch Koch“

Kristof Mulack, freier Gastronomieberater

Er ist in Berlin geboren und aufgewachsen, er hat seinen Job als Versicherungsfachmann schon lange an den Nagel gehängt, er hat als Quereinsteiger in die Kochwelt den Supperclub „mulax“ gemacht, hat 2015 die TV-Kochshow „The Taste“ gewonnen und 2018 die Berliner Speisekneipe „Tisk“ mit konzipiert und eröffnet: Kristof Mulack ist einer der buntesten Hunde der Berliner Köche-Szene. Anfang 2019 stieg er aus dem „Tisk“ aus und ist seitdem als freier Gastronomieberater tätig. „Ich brauchte mehr Ruhe, keine 16 Stunden sechs Tage die Woche mehr, und gleichzeitig wieder mehr Abwechslung – das Arbeiten an unterschiedlichen Projekten ist einfach total mein Ding“, erklärt er. Gerade hat er gleich zwei Dinge mit auf die Bahn gebracht. Für den neuen „Lausebengel“ in der Kreuzberger Grimmstraße hat er ebenso das kulinarische Konzept – Berliner Stullen mit hauseigenem Sauerteigbrot plus Craft-Bier – entwickelt wie für das nahezu zeitgleich gestartete „Bonvivant“.

So unterschiedlich die Konzepte – rustikales Brot- und Bier-Angebot in der Speisekneipe, „small plates“ begleitend zu den Drinks im Cocktailbistro – so ähnlich sind sie letztlich doch: In beiden Fällen geht es darum, möglichst alle Speisen zu teilen und gemeinsam zu genießen und das im Wechselspiel mit besonderen Getränken. „Die Leute wollen heute mehr denn je in kommunikativer Atmosphäre essen und trinken“, hat Mulack beobachtet. Auch Bestandsbetrieben will er mit seiner Beratung auf die Sprünge helfen. „Dass ich Autodidakt bin, hilft mir dabei quer zu denken und neue Ideen einzubringen“, erklärt er.

Es gibt bereits einige weitere Projekte, an denen Mulack mitwirkt, aber – natürlich – ist noch nichts spruchreif, wir werden zu gegebenem Zeitpunkt sicher davon hören und lesen. Ebenso von der Videoproduktion, die er ins Auge gefasst hat. Für Gäste kochen, das tut Mulack weiterhin – unter anderem bei Firmenveranstaltungen, Messen und kulinarischen Shows. Und für seine Familie, für die er nun wieder mehr Zeit hat, wie er berichtet. Während wir miteinander sprechen, löst er für die Lieben gerade Hähnchenschenkel aus. (Jan-Peter Wulf)

Kristof Mulack
https://kristof-mulack.berlin


Kevin Schmidt

„Wir kaufen verdammt guten Kaffee ein, benutzen immer gute Milch und versuchen so die Qualität weit oben zu halten“

Kevin Schmidt, der Gründer von Herr Schmidt Kaffee

Guter Kaffee ist auf Messen oftmals schwer zu finden. Doch das muss nicht sein. Kevin Schmidt, Gründer von Herr Schmidt Kaffee, hatte die Idee, auf Veranstaltungen der Messe Berlin einen Stand zu betreiben, der die Besucher mit Espresso, Cappuccino und Co. versorgt. Mit der Hilfe seiner Familie, die seit 50 Jahren im Messe- und Ausstellungsbau tätig ist, Freunden und Kaffeeröstern hat er es geschafft, in kürzester Zeit ein Konzept auszuarbeiten und Tassen und Kaffee-Equipment zu beschaffen. So hat er dann auf der Grünen Woche im Januar 2018 zum ersten Mal mit seinem Unternehmen Herr Schmidt Kaffee eine mobile Espressobar betreut.

Mittlerweile findet man ihn nicht nur auf der Messe, sondern kann ihn auch für Privatveranstaltungen wie Hochzeiten oder Geburtstage buchen. Entweder mit einer Piaggio Ape, einem alten Oldtimer Jeep oder einem mobilen Tresen mit Kühlschränken und Barelementen bewirtet er die Events. Die obligatorische Espressomaschine ist immer mit dabei. Den Kaffee, den er anbietet, ist Specialty Coffee. Bei der Wahl der Produkte achtet er auf hohe Qualität. „Den Leuten muss klar sein, wenn sie die haben möchten, müssen sie auch etwas dafür bezahlen. So kann das schon mal tausend Euro kosten.“ Auch den Auf- und Abbau übernehmen er und sein Team selbst. Für die Veranstaltungen bucht er oftmals selbstständige Barista, da er sich durch jahrelange Gastronomieerfahrung ein Netzwerk aufgebaut hat.

„Wir sind entspannt und locker und machen einen verdammt guten Kaffee, da wir alle die Zertifikate haben, die man dafür braucht. Wenn jemand auf Latte-Art steht, können wir auch das machen“, erklärt der mobile Gastgeber. Seine Kaffeebegeisterung steckt an und man möchte am liebsten selbst mit dem Milch-Aufschäumen anfangen und mehr über die Welt des Kaffees erfahren. Zum Glück hat er auch da noch etwas im Repertoire – Baristakurse für Anfänger und Fortgeschrittene. (Sophia Bauer)

Herr Schmidt Kaffee
Wundtstraße 52, Charlottenburg, Tel. 0157 73 88 66 87, www.herrschmidt-kaffee.de