Fotos: Selina Schrader Aufmacher Streetfoodmarkt
Winterfeldtmarkt

Streetfood statt Wochenmarkt

Ohne großen Hype hat sich mittwochs auf dem Winterfeldtplatz ein kleiner Streetfood-Markt etabliert. Nach und nach sind es immer mehr Foodtrucks und Stände geworden, die jede Woche die Schöneberger mit einem schnellen Mittagessen versorgen

Texte: Sophia Bauer • Fotos: Selina Schrader

Am Mittwoch ist auf dem Winterfeldtmarkt alles etwas anders. Der mittlerweile international bekannte Wochenmarkt am Samstag hat an diesem Tag mitten in der Woche einen ganz anderen Charakter. Von den sonst so typischen Marktständen sind nur ein paar vertreten, ebenso die Kundschaft, die zum Einkaufen gekommen ist.

Vor 12 Uhr ist noch wenig los. Das Hauptgeschäft läuft zwischen 12 und 13 Uhr. Zum einen kochen viele Mittags nicht mehr gerne zu Hause und holen sich lieber etwas zum Essen. Zum anderen muss es schnell gehen. Berufstätige der umliegenden Büros, Kita-Gruppen, Lehrer und Schüler besuchen die „Open-Air-Kantine“, so nennt Jürgen Fürgut, der Betreiber des Steckerlfisch-Standes, den Streetfood-Markt.

Es geht entspannt zu. Entspannter als am Samstag, wenn Touristen und Berliner sich durch die engen Gänge zwischen den Ständen schieben. Es ist reichlich Platz, auch für Gespräche. Denn es gibt mittlerweile einige Stammkunden, die dieses Angebot und die ungezwungene Atmosphäre sowie das internationale Angebot zu schätzen wissen. Nach einer herzlichen Begrüßung heißt es dann oft: „Heute wieder das Übliche“.

Zur Zeit sind es zwar erst rund zehn Stände an denen typische Gerichte aus Korea, Afrika und aus dem Schwabenland angeboten werden. Aber der Markt lädt dennoch jetzt schon trotz der kurzen Mittagspause ein, um zu verweilen und ein nettes Schwätzchen zu halten.

Wochenmarkt auf dem Winterfeldtplatz
Mittwoch 8 bis 14 Uhr, Samstag 8 bis 16 Uhr, an gesetzlichen Feiertagen (z.B. am 1. Mai) geschlossen, www.winterfeldt-markt.de


Carnivore

Mit Fleisch

Gute Laune kommt einem beim Nähern an diesen Stand entgegen. „Sommer, Sonne, Kaktus“ tönt aus den Lautsprechern und wird ab und an durch das Surren des elektrischen Fleischmessers unterbrochen. Hier wird mit viel Geschick das mit Honig, Sojasauce oder Currypaste marinierte zarte Fleisch, wie auch die dazugehörigen Kartoffeln und Karotten in Stücke geschnitten. Danach wird alles auf Tortillas gelegt, mit Salat getoppt und Saucen verfeinert. Dann kommt die Frage der Fragen: „Stehst du auf Koriander?“ Der Wrap wird gedreht, verpackt und schon in die Hand gedrückt. Sandra Knappe, eine der Betreiber dieses Standes, verrät noch ein Detail zu der Geschichte dieses Foodtrucks. Vor Jahren stand er schon mal hier, nur unter der Leitung eines Neuseeländers, der die Dönerbuden seines Heimatlandes auf die deutschen Straßen bringen wollte. Doch dieses Vorhaben war nicht von Erfolg gekrönt. Und Thomas Klückmann, Sandra Knappes Geschäftspartner, hat den Wagen übernommen und seit zwei Monaten steht der nun wieder hier.

Carnivore
Mittwoch und Samstag


Steckerlfisch 2
Steckerlfisch 1

Fisch zubereitet

Makrelenfilet aus Norwegen. Forellenfilet aus Dänemark. Oder eine Fischsuppe. Für Fischliebhaber wird definitiv an diesem Stand gesorgt. Jürgen Fürgut steht persönlich seit zwölf Jahren hinter dem Holzkohlengrill und bereitet die Gerichte zu. Als Beilagen gibt es Kartoffelsalat, Meerrettich, Ingwer und Zitrone. Das kleine Stück Baguette, das mit Remoulade, Paprika, Chili und Knoblauch bestrichen wurde, ist das perfekte Beiwerk.

Seit seiner Kindheit ist er leidenschaftlicher Fischer und steht jetzt mit viel Freude auf dem Wochenmarkt um seine Kunden zu verwöhnen. Frühstück oder Mittagessen – Fisch geht immer. Einige Stammkunden schlagen hier auf um während des Essens nett zu plaudern und die Gerichte, die im Sommer und Winter etwas variieren, zu genießen.

Steckerlfisch & Co.
Mittwoch und Samstag, www.steckerlfisch.com


Tantuni Dürüm

Heimatgefühle

Tantuni, so heißt diese Spezialität aus der türkischen Küche und wird an diesem kleinen Stand frisch vor den Augen der Kunden zubereitet. Dabei handelt es sich um eine Rolle aus Yufka-Teig, welcher aus Mehl, Wasser und Salz besteht. Für jene, die die Kochkunst der Türkei zu schätzen wissen oder für die, die Köstlichkeiten aus fernen Ländern probieren wollen. Für alle ist hier gesorgt. Besonders die Auberginenrolle, gefüllt mit gegrilltem Gemüse, Hummus und Schafskäse sollte unbedingt probiert werden. Der Geschmack ist ein Fest aus den verschiedensten mediterranen Gewürzen.

Tantuni Dürüm
Mittwoch


Kuem-Ja Korean Fresh Food

Gemüsepuffer und Spiegelei

Auch die koreanische Küche hat auf dem Wochenmarkt Platz gefunden. Am Mittwoch mit einem winzigen Stand, am Samstag mit einem Foodtruck, der sonst im Mauerpark zu finden ist. Kenner können das klassische Bibimbap bestellen. Ein traditionelles koreanisches Gericht, welches aus den verschiedensten Komponenten besteht. Ein Spiegelei obenauf ist obligatorisch. Egal ob Fleischesser oder nicht. Getestet werden sollte es auf jeden Fall.

Doch das ist nicht das einzige auf der Karte. Jijimi, so heißt der Gemüsepuffer mit Kimchi, das asiatische Sauerkraut und Gemüse und drei weitere Gerichte mit komplizierten Namen wie So-bulgogi, Mandu und Japchae werden ebenfalls angeboten. Der kleinste Essensstand, der auf dem Markt zu finden ist, hat es durchaus in sich und bietet mehr Leckereien an als zunächst erwartet.

Kuem-Ja Korean Fresh Food
Mittwoch und Samstag, www.facebook.com/Kuem-Ja-Korean-Fresh-Food


Golden Burgers

Burger geht immer

Das Durchkommen zu diesem Stand ist fast unmöglich. Die Kunden stehen reihenweise davor, um einen der Burgerkreationen zu ergattern. Von Cheeseburger bis hin zu BBQ-Burger und Halloumi-Veggieburger sind hier einige der bekanntesten Burgervarianten vertreten. Noch ein paar Pommes dazu und fertig ist das Fastfood. Seit neun Jahren gibt es diesen Truck auf dem Platz. Es ist ein originaler Lieferwagen aus den USA und bringt das gewisse Amerikafeeling auf den Wochenmarkt. Sollten also zufrieden wirkende Menschen mit in leuchtend, buntes Papier eingewickelten Burger aus Richtung der St.-Matthias-Kirche kommen, ist das ein Beweis dafür, dass der Golden-Burgers-Wagen hier seinen unumstrittenen Stellplatz hat.

Golden Burgers
Mittwoch, www.golden-burgers.de


Papa Africa Kitchen

Yam-Wurzel und Puff Puff

Afrika hat eine vielfältige Küche. Nur leider kennt sie in Deutschland kaum jemand. Das will der Betreiber dieses Standes, Anchang Jaspa, ändern. Anstatt ein Restaurant aufzumachen, in dem er auf die Gäste warten muss, hat er sich dazu entschieden ihnen entgegenzukommen: Die Idee zu einem Streetfood-Stand ist entstanden. Und jetzt steht er seit vier Monaten jeden Mittwoch auf dem Winterfeldtplatz und freut sich, die afrikanische Küche auch den Berlinern näherzubringen. Mit Spezialitäten wie der Yam-Wurzel in Kombination mit Hokkaido-Kürbis, Spinat, Paprika und Zucchini begeistert er uns. Die leichte Schärfe im Gericht wärmt von Innen an diesem kalten Wintertag. Er bietet eine kleine Auswahl veganer Speisen und Fleischgerichten an. Wer noch gerne eine süße Nachspeise möchte: Puff Puff, ein frittiertes Mehlbällchen ohne Quark mit einem Stück frittierter Kochbanane sind ein süßer Abschluss zu der sonst eher gemüselastigen afrikanischen Küche.

Papa Africa Kitchen
Mittwoch, www.facebook.com/Papa-Africa-Kitchen


Galettes & Crêpes 2
Galettes & Crêpes

Unbekannte Bekannte

Was sind eigentlich Galettes? Es ist die herzhafte Variante von Crêpes, bestehend aus Buchweizenmehl, die hauchdünn serviert werden. Der Betreiber des Standes, Dominique Miagat, welcher tatsächlich auch akzentfreier Franzose ist, streicht fast schon liebevoll den Teig auf das Crêpe-Eisen. Er drapiert vorsichtig geriebenen Emmentaler, Spinat­blätter und Tomaten­stückchen auf den heißen Teig.

Seit 2010 schon ist er hier und sticht sofort mit der gelben Farbe seines Pavillons ins Auge. Davor stand er in London auf der Church Street und ist der Liebe wegen wieder nach Berlin zurückgekehrt. Ein Glück für die Berliner. Neben den Galettes gibt es auch die bekannten süßen Crêpes mit den unterschiedlichsten Füllungen. Seine Tagesangebote variieren, doch sollte es die Galettes mit Spinat geben – unbedingt probieren. Das ist der Geheimtipp seiner treuen Stammgäste und diese wissen schließlich wo es am Winter­feldtplatz die besten Speisen gibt.

Galettes & Crêpes
Mittwoch und Samstag


Barbaras Küche

Gottsbescheißerle

Ein Stück Schwaben in Berlin. Seit 2013 schon überzeugen Barbara Kappel und ihr Team die Wochenmarktbesucher mit leckeren Kuchen, Quiches und ja, auch mit Maultaschen. Diese heißen auch Gottsbescheißerle und dürfen in der schwäbischen Küche auf gar keinen Fall fehlen. Je nach Jahreszeit variiert die Füllung, sodass der routinierte Gast immer wieder etwas neues probieren kann. Und auch Veganer und Vegetarier kommen hier nicht zu kurz. Zeitweise haben sie hier eine sehr große Auswahl an den handgemachten Köstlichkeiten.

Barbaras Küche
Mittwoch und Samstag, www.barbaraskueche.de