Anders essen

Jenseits der üblichen Pfade

Sie sind im Souterrain, in der Sauna eines Stadtbades, sind von außen nicht zu erkennen – und somit nicht leicht zu finden. Es sind Pop-ups, Clubs, Quereinsteiger oder Familien­unternehmen, die die Food-Szene Berlins auf ihre ganz eigene Art bereichern. Für die einen ist es ein Politikum, für die anderen ein Versuch in der hiesigen Gastronomie­landschaft einen Platz zu finden. Manche sind über die sozialen Medien zu finden, manche über Mundpropaganda. Jan-Peter Wulf und Eva-Maria Hilker haben ein paar andere Orte gefunden

Dal Tokki 1

Der Wedding ist nicht unbedingt als Hot Spot für innovative Restaurantkonzepte bekannt. Doch neben eher konventionellen Adressen hat sich fast unbemerkt ein Pop-up etabliert. Das Dal Tokki serviert zwei Mal die Woche einen Mittagstisch, koreanisch, vegetarisch mit familiärem Touch.

Mit der koreanischen Küche verbindet Berlin in erster Linie Fleischiges und Fischiges, das gemeinsam am Tisch gegrillt wird. Die Familie Lie aus dem Wedding zeigt mit Dal Tokki, zu Deutsch Mondhase, eine andere, nämlich die rein vegetarische Seite. Soh-Eyn Lie und ihre Tochter Boram kochen gemeinsam und so werden auf diesem Wege Rezepte an die nächste Generation weitergereicht.Vater Kyung-Taek kümmert sich um die Gäste. 2015 startete das gastronomische family business mit einem Streetfood-Stand in der „Neuen Heimat“, die herzhaften Puffer aus Mungobohnen („Bin Dae Ddeok“) und die scharfen gebratenen Reiskuchen („Ddeokbokki“) sorgten schnell für lange Schlangen am Stand. Der Streetfood-Markt auf dem RAW-Gelände war leider schon kurz darauf Geschichte, doch das Dal Tokki fand seine neue Heimat in der Smaragd Bar in der Weddinger Prinzenallee und lud zwei Mal pro Woche zum Lunch. 2018 zog die Bar ein paar Hausnummern weiter und der Mondhase kam mit.

Dal Tokki 2

Jetzt bietet die Familie immer montags und dienstags einen koreanischen Mittagstisch an. Neben den aus der Streetfood-Zeit bewährten Gerichten gibt es zum Beispiel vegetarisches Bibimbap, scharfe Eintöpfe, Curry- oder Kimchireis sowie gelegentliche Ausflüge in die thailändische oder chinesische Küche. Das Kernteam bekommt mittlerweile Unterstützung von drei Mitarbeitern, denn der gesunde, sehr gute und preiswerte Lunch – acht Euro für das Menü aus Suppe, Hauptspeise, frischem Salat, Tee und Obst-Nachtisch – zieht viele Künstler und Kreative aus den umliegenden Ateliers und Studios an. Kleine, private Caterings machen die Mondhasen auch. Und wer besonders großen Appetit mitbringt, bekommt gerne einen Nachschlag – Familie eben!

Dal Tokki
Prinzenallee 83, Gesundbrunnen, Tel. 0177 525 54 00, www.facebook.com/daltokkiberlin, Mo+Di 12-15 Uhr

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(Den vollständigen Artikel mit den Beiträgen zur Nacktkantine im Stadtbad Neukölln, zum Souterrain, Orlando und Migo können Sie in der aktuellen Ausgabe lesen)