Foto: Selina Schrader / HiPi Aufmacher Südwind
Wegbereiter

Aus südlicher Richtung

Der Feinkostladen Südwind ist eine Institution. Astrid und Mike Peacock haben nicht nur ihr Wein-Sortiment über die Jahrzehnte hin erweitert und verfeinert

Angefangen hat es mit dem Südwind so um 1986. Mike Peacock überlegte damals als studierter Taxifahrer, ob das mit dem Weinimport und -verkauf eine Alternative zum Chauffieren sei. Und das ist es bis heute recht erfolgreich. Damals fing alles mit Italien und dem Morellino an. Zur Erinnerung: Berliner Umland gab es nicht und auch kaum eine Möglichkeit, Brandenburg zu erkunden. „Naturprodukte aus der Toskana“ – die haben die beiden, Astrid und Mike, nach Berlin gebracht. Italienischen Käse und Parmaschinken unter anderem. Den gab es damals nämlich noch nicht in jeder Supermarktvitrine.

Ganz klassisch haben die beiden auf Wochenmärkten angefangen, ihre feinen Produkte zu verkaufen. Der Italien-Hype gab ihnen Auftrieb: Alles wollte nach Italien und alles aus Italien war großartig. Das ist immer noch so. Bis heute sind die beiden dem Weingut Marziano Abbona treu geblieben, und dem Morellino di Scansano, dem Passera von Poggio Trevvalle, einem Bio-Morellino.

Foto: Selina Schrader / HiPi Südwind

Die Peacocks, Mike hat Philosophie studiert, Astrid ist Heilpraktikerin und Physiotherapeutin, sind also mehr als nur Delikatessenhändler. Beide haben ein Gespür für den Zeitgeist, sie erkennen schnell, was die Kundschaft wünscht, welcher Trend gerade angesagt ist. Aber nicht nur deshalb haben sie ihr Weinsortiment zum Beispiel um deutsche und spanische Weine erweitert. Ihr Qualitätsanspruch verbindet sie persönlich mit kleinen Produzenten wie den Schwestern Gaul oder dem Winzerpaar Mona Bastgen und Armin Vogel. Von dem Weingut im Moseltal kommt auch ein erfrischender Rosé-Sekt. Der passt ganz ausgezeichnet zu den Kleinigkeiten aus der Vitrine. Dort stapeln sich Schinken, Salami, eine Vielfalt an Käsesorten. Es duftet nach Rohmilchkäse, nach Crottin de Chavignol, nach Sainte-Maure, Epoisses, Roquefort, nach Ziegencamembert aus dem Allgäu. Da lacht einen der Bio-Büffelmozzarella aus Brandenburg an, der Hochalpenkäse aus dem Berner Oberland. Und an den Pasten von Astrid Peacock kommt kaum jemand vorbei. Sie betreibt nämlich auch noch ein recht erfolgreiches Catering-Unternehmen.

Astrid und Mike Peacock beweisen mit ihrem Team großzügige Fachkenntnis. Es gibt immer etwas zu probieren, sei es vom Bio-Schinken von der Macelleria Savigny oder von den luftgetrockneten Tomaten, vom Brot. Und einmal von den Weinen und den Spezialitäten angefixt, kommt keiner so schnell und ohne ein paar Flaschen Wein sowie ein paar Kleinigkeiten aus dem Laden. Oder man bleibt eben gleich da und trinkt eine Flasche Wein zur Käseplatte. (emh)

Südwind
Akazienstraße 7, Schöneberg, Tel. 030 782 04 39, www.suedwind.net, Mo-Fr 10–20 Uhr, Sa 10–18 Uhr


Foto: Michael Hughes / hughes-photography.eu PAR Creamery

„Wir machen nur das, was wir gut können“

Eismacher Fabian Zeisler von PAR Creamery

Der schnelle Sommereinbruch hat die beiden dann doch überrascht. Denn geplant war der schrittweise Start ihres Unternehmens, dem Eisladen PAR Creamery. Doch dann kam es eben anders. Franziska Land und Fabian Zeisler mussten sich ganz schön ranhalten, um dem Andrang gerecht zu werden. Nicht nur dass die Oderberger Straße ein beliebte Flanier-Meile für Touristen ist, in der PAR Creamery lachen einen auch sehr spezielle Eissorten an. Das wissen auch die Familien der Nachbarschaft zu schätzen. Und was heißt PAR? Das war eine Idee von Franziska Lang, die eine Zeitlang in Kopenhagen gelebt hat. Par heißt übersetzt Paar, ist ein Teil von par excellence. Creamery heißt eigentlich Milchladen.

Fabian Zeisler hat in Australien eine Zeitlang als Eisverkäufer gejobbt. Nach Berlin zurückgekehrt, hat er sich zum Eismacher weitergebildet. Seine Inspiration holt er sich zum Beispiel von Desserts oder während eines Urlaubs. So gibt es eine Eissorte Crème brûlée oder Cosy Grapefruit, das ist Grapefruitsorbet mit Honig und Zimt. Für Veganer steht in der Karte ein Erdnusssorbet mit karamellisierten Erdnüssen und Choc-Chips, für Schokoladenenthusiasten das Apollo White Choc, weiße Schokolade mit karamellisierten, leicht gesalzenen Pekannüssen. Insgesamt sind es rund 15 Sorten, die in der Vitrine Platz finden, und es werden regelmäßig neue Eissorten kreiert. (emh)

PAR Creamery
Oderberger Straße 38, Prenzlauer Berg, Tel. 0151 15 23 63 68, www.par-creamery.com, Di-Do 14-19 Uhr, Fr 14-21 Uhr, Sa+So 13-21 Uhr, ein Scoop 1,60 €, Mini Scoop 1 €, Topping-Specials wie Salmiak-Lakritz-Flakes und geröstete Haselnüsse liegen bei 0,50 €, bunte Streusel und Schokostreusel sind umsonst


Fotos: Sophokles Tasioulis Pikilia 1

Hellenische Vielfalt

Seit fast zwei Jahrzehnten beweist Jiorgos Savvidis vom Pikilia was griechische Gastfreundschaft heißt. Und was seine Heimat an zeitgemäßer Genusskultur zu bieten hat

Griechischer Wein – das war mal ein Hit von Udo Jürgens, damals, 1974. Zu dieser Zeit arbeiteten viele Griechen in Deutschland und schickten ihren Verdienst nach Hause zu ihren Frauen. „Und dann erzählten sie mir von grünen Hügeln, Meer und Wind, von alten Häusern und jungen Frauen, die alleine sind …“

Lang ist es her. Doch wer heute in Zehlendorf die griechische Taverne Pikilia besucht, staunt nicht schlecht, was griechischer Wein in der Gegenwart alles sein kann. Das ist Chef Jiorgos Savvidis und seiner Leidenschaft für seine Heimat Griechenland und seiner unverwechselbaren Gastfreundschaft zu verdanken. Savvidis ist die diplomatische Vertretung in Sachen griechischer Genusskultur. Das nun seit rund 17 Jahren. Er lebt übrigens mit Frau und Kindern in Berlin.

Pikilia 2

Er kann sich noch gut an die ersten Tage erinnern, als er alleine in seinem Restaurant stand und die ersten neugierigen Nachbarn kamen. Und als er die Frage, was es denn nun sei, das Lokal, mit „ein griechisches Restaurant“ beantwortete, seufzte eine Frau nur: „Oh Gott!“ Und dem griechischen Wirt rutschte erst mal das Herz in die Hose. Heute muss er sich über den Erfolg keinen Kopf mehr machen. Seine griechische Küche hat in ganz Berlin einen sehr guten Ruf.

Auf das Thema Wein angesprochen, packt der Gastgeber kurzerhand über 20 Flaschen auf den Tisch, die größtenteils von kleinen Winzerbetrieben sind. Und über fast jede kann er eine Geschichte erzählen. Und zwar nicht nur über die Aromatik, den Weinberg, den Winzer, sondern über die Gäste, die den einen oder anderen schon probiert haben, Franzosen, die begeistert vom griechischen Rotwein sind, von der Politprominenz, die ein paar Kisten von dem oder jenem mit nach Hause nehmen. Es kommt Prominenz aus allen Sparten zum Griechen in Zehlendorf – ohne Getue, aber immer herzlich empfangen.

Savvidis hat 150 bis 200 Weine auf Lager. Viele kann der Gast auch glasweise probieren. Doch die Gäste bestellen mehr und mehr eine gute Flasche Wein, vielleicht einen Weißen aus dem Weinanbaugebiet Santorini, einen Robola von der Insel Kephalonia oder einen Chardonnay aus der Nähe von Jiorgos’ Heimatort. Und griechischer Naturwein? Auch der ist in der Taverna Pikilia zu finden. Und wichtig ist ihm, dass seine Mitarbeiter genauso gut Bescheid wissen wie er. Das heißt, alle werden regelmäßig geschult. Und dann erzählen „sie mir von grünen Hügeln, Meer und Wind …“ (emh)

Taverna Pikilia
Spanische Allee 72, Schlachtensee, Tel. 030 80 58 82 07, www.pikilia.de, Mo-Fr ab 16 Uhr, Sa+So ab 12 Uhr, Speisen ab 7 €, Flasche Wein ab 25 €


Fotos: Malte HM Spindler Smakuje 1

„Ich habe das Essen als Kulturgut in den Vorder­grund gestellt und die Kunst ins Private“

Nicole Michniewski, Gründerin von Smakuje Catering

Angefangen hat sie bereits in ihrer Studienzeit. In den Niederlanden während des Kunststudiums etablierte sie immer dienstags eine Suppenküche vor ihrem Atelier. Das lief so gut, dass diese von Kommilitonen übernommen wurde und bis heute funktioniert. „Essen und Kunst – das passt hervorragend zusammen.“ Das Backen hat sie dann mehr und mehr in Angriff genommen und rund sieben Jahre lang in Konditoreien gearbeitet, um sich professionelles Rüstzeug anzueignen.

Vor rund vier Jahren ist Nicole Michniewski nach Berlin gekommen und hat hier in den verschiedensten Cafés und Feinkostläden gearbeitet und nebenbei ihr vegetarisches Catering-Unternehmen aufgebaut. Seit 2016 konzentriert sie sich nun hauptberuflich auf Smakuje, aus dem Polnischen übersetzt heißt das „schmeckt“. Den Spaß am Kochen bzw. Backen hat sie durch ihre Familie, durch ihre Eltern und Großmutter bekommen. Doch auf ihrem bisherigen Lebensweg hat sie mit Köchen verschiedener Nationen zusammengearbeitet, mit australischen und amerikanischen Küchenchefs zum Beispiel. Nicole Michniewski greift nicht nur auf internationale Küche zurück. Sie kann eigentlich alles und in fast jeder Menge liefern. Denn sie teilt sich die Küche mit drei anderen Catering-Unternehmerinnen. Und wenn jemand Fleisch wünscht, zum Business-Lunch für das Private Dining, dann steht der entsprechender Koch bereit, der das zubereitet.

Smakuje 2

„Ich selbst habe nie gerne Fleisch gegessen, zum Leid­wesen meiner Familie, denn in der polni­schen Küche gibt es immer einen Fleischanteil“, lacht sie. Vor zehn Jahren hat sie das dann ganz gelassen. Wichtig ist ihr aber auch hierbei die Herkunft der Ware. Sie selbst verwendet grundsätzlich nur Bio-Produkte und selbstverständlich ohne Gelatine. Zudem arbeitet Nicole Michniewski ehrenamtlich an Schulen und bringt interessierten Kindern das Backen und Kochen näher. Für sie ist Essen eben Kulturgut. (emh)

Smakuje Catering
Tel. 0152 52 87 07 58, www.smakuje-catering.de


Foto: Andreas Bohlender | andreasbohlender.de Walid Speisemeisterei

„Ich bin angetreten, um Qualität anzubieten“

Walid Abawi, Chef von der Walid Speisemeisterei

Für Walid Abawi ist das erste eigene Restaurant eine Herzens­angelegenheit. Seit eineinhalb Jahren offeriert er Klassiker der deutschen Küche, zeitgemäß interpretiert. „In unserer Nachbarschaft gibt es alles, von Asiatisch über Indisch bis Russisch.“ Und so bereichert er die kulinarische Landschaft in einer noch ruhigen Gegend mit regionaler Küche, mit Kaninchen-Terrine, Königsberger Klopsen oder Schmorbraten bzw. Schaufelbraten. Saisonal findet sich auch Beelitzer Spargel auf der Karte.

Der Außenbereich ist fein gemacht und ist eine stilistische Fortsetzung der unaufdringlich modernen Inneneinrichtung. Und bei schönem Wetter lässt sich das Wiener Schnitzel mit einem Glas Rosé besonders genießen. „Wiener Schnitzel ist für mich immer ein Sommergericht gewesen“, erklärt Walid Abawi. Der diesem Gericht auch den Mittwoch gewidmet hat. Der Dienstag ist den Königsberger Klopsen vorbehalten. Zu einem Sonderpreis. Die restliche Karte gibt es weiterhin. Walid Abawi möchte auch die Nachbarschaft ansprechen, Familien mit Kindern, und kommt ihnen auch preislich entgegen. Doch die Kosten will er nicht auf dem Rücken der Mitarbeiter austragen. „Wer heute motiviertes Personal hat, der weiß das zu schätzen.“

Walid Abawi hat viel Erfahrungen gesammelt. Er hat für Christian Lohse in dessen ehemaligem Sternerestaurant Windmühle gearbeitet, war Restaurantleiter im Bieberbau von Stephan Garkisch. Für Josef Laggner eröffnete er 2008 als Restaurantleiter die Gendarmerie. Heute kann er aber nicht nur über seine Vergangenheit erzählen, sondern auch über die seines Restaurants. Denn hier trafen sich vor Mauerfall Dissidenten der DDR, etwa Bärbel Bohley, Vertreter des Bündnis 90 und Vertreter des Demokratischen Aufbruchs. Vielleicht haben die mal wieder Lust, einfach bei Walid Abawi vorbeizuschauen. (emh)

Walid Speisemeisterei
Wichertstraße 55, Prenzlauer Berg, Tel. 030 40 04 57 55, www.walid-speisemeisterei.de, Di-Sa ab 18 Uhr, Königsberger Klopse am Dienstag 9,90 €, Wiener Schnitzel am Mittwoch 14,90 €


Foto: Belek Wunderlich Kakadu

„Wir wollen etwas mitge­stalten, in der Stadt in der wir leben“

Jess Schmidt, eine der beiden Chefinnen von Kakadu

Den Spruch, dass der Wedding am Kommen ist, kennen Berlins Ureinwohner seit gefühlten Ewigkeiten. Aber manchmal scheint ja was dran zu sein. Und wer Jess Schmidt und Ann Franke im Kakadu besucht, hat das Gefühl, dass es gut wird in der Stadt, die sich so rapide verändert. Die beiden Frauen haben mit dem Kakadu eine Art Bistro geschaffen, in dem der Weddinger Facettenreichtum seinen Platz und man etwas zu essen findet. „Es gab hier in der Ecke wirklich gar nichts, noch nicht mal einen Dönerladen“, erinnert sich Jess Schmidt. Sie lebt seit über zehn Jahren hier. Und was passt hierher außer Pizza, Döner, Burger? Quesadillas, fanden die beiden Freundinnen, die sich vor Jahren beim Sport kennenlernten. Dann haben sie den kleinen, bezahlbaren Laden in der Soldiner Straße gefunden. „Jetzt oder nie“, so der Entschluss. Denn beiden war klar, dass die Mieten in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Und so ist die sogenannte „Wedding Community Kitchen“ entstanden.

Manchmal, so gesteht Jess Schmidt, fällt es nicht so leicht, den Kiez lebenswert zu machen. „Wir leisten praktische Integrationsarbeit, das wird einfach unterschätzt. Wir kommen gerade mal so über die Runden. Geld verdienen? Das macht die Immobilienbranche.“ Den Reichtum an Kiezgeschichten, an ungebrochener Lebensfreude und herzlicher Gastfreundschaft lassen sie sich nicht nehmen. Da lohnt sich auch ein Besuch aus anderen Bezirken – und endlich ist mal was dran, an der ewigen Prophezeiung, dass der Wedding am Kommen ist. (emh)

Kakadu
Soldiner Straße 13, Wedding, Tel. 0179 531 00 73, www.kakadu.berlin-basement.de,
Mo-Fr 15–23 Uhr, Sa+So ab 10 Uhr, Quesadillas 8 €