Fotos: Michael Hughes Oxfam Aufmacher
Thema: Women on Farms

Sauer verdientes Geld

Drei Frauen aus Südafrika. Sie reisen durch Deutschland. Sie erklären, was es bedeutet, auf einer Weinfarm in Südafrika zu arbeiten

Farmarbeiterin Marai Balie, Colette Solomon und Roseline Engelbrecht tragen die gleichen T-Shirts. Diese haben sie auch während einer Demonstration in Cape Town getragen, bei der sie und ihre Organisation Women on Farms ihrer Regierung deutlich machten, was falsch läuft in dem Land, in dem die Kluft von Arm und Reich immer noch eine Frage der Hautfarbe ist. Und dass Frauen noch eine weitere Art der Unterdrückung erfahren. Zum Beispiel bei ihrer Arbeit auf den Weinfarmen. Die drei Frauen reisen durch Deutschland, von einem Treffen mit Journalisten, Frauenverbänden und anderen Organisationen zum nächsten.

Die Nichtregierungsorganisation Oxfam unterstützt sie dabei. Auf zwei Arten: Zum einen ist Women on Farms eine Partnerorganisation von Oxfam, und bekommt auf verschiedenen Ebenen und auch finanziell Unterstützung. Zum anderen versucht sie die Öffentlichkeit über die Situation der Arbeiterinnen zu informieren und Druck auf Supermarktketten und die deutsche Politik aufzubauen.

Roseline
Engelbrecht
Oxfam 1
„Wenn Kontrolleure erscheinen, werden bessere Arbeitsbedingungen vorgetäuscht“
Roseline Engelbrecht, Managerin von Women on Farms

Alle drei sehen etwas abgekämpft aus. Wie anstrengend muss es für Marai Balie sein? Immer wieder ihre persönliche Situation, ihre existenziellen Nöte zu erklären, die bezeichnend sind für viele der Farmarbeiterinnen. Umgerechnet einen Euro bekommt sie pro Stunde. Sie lebt in einem Township mit ihren zwei Kindern, ihrer Mutter und mit noch ein zwei nahen Verwandten. Von ihrem Lohn unterstützt sie die ganze Familie. Marai Balie engagiert sich als aktives Mitglied bei Women on Farms.

Ihr kommt die Frage völlig absurd vor, warum sich Frauen nicht zusammenzuschließen, um eine eigene Weinfarm aufzubauen. „Wir sind zu arm! Das meiste Land gehört den reichen weißen Farmern.“ Berliner Weinhändler, die schon mal zu Besuch waren, erzählen häufig von einem Reichtum, den sie sonst so nirgendwo angetroffen haben. Aber auch von einer ungeheuren Kluft zwischen Weiß und Schwarz, zwischen Arm und Reich. Von verstörenden Zuständen, wo Schwarze in Großstädten an Straßenrändern liegen und keiner sich auch nur im geringsten daran stört.

Marai Balie Oxfam 2
„Die Arbeitsbedingungen werden immer schlechter“
Marai Balie, Farmarbeiterin

Um so eindrucksvoller ist die Arbeit von Women on Farms und die von Roseline Engelbrecht. Sie schult die Arbeiterinnen in der Kommuni­kation, bei Problem­lösungen im Umgang mit männlichen Farmarbeitern oder den Farmbesitzern. Erklärt welche Rechte ihnen eigentlich zustehen.

Doch manchmal geht gar nichts. Wenn zum Beispiel der Bruder des Farmbesitzers ständig anzüglich Bemerkungen gegenüber den Farmarbeiterinnen macht. „Die Angst, den Job zu verlieren ist groß.“ Es gibt auch keine Toiletten, und das ist ein weiter demütigender Moment, wenn Frauen ihre Notdurft im Freien verrichten müssen. Viel Sichtschutz ist auf den Weinfeldern nicht vorhanden. Sexuelle Belästigungen sind unterschwellig ständig präsent.

Ganz offensichtlich ist der Einsatz von Pestiziden. Entsprechende Schutzkleidung? „Gibt es nicht. Wir gehen von Reihe zu Reihe. Dann wird die entweder vor oder hinter uns besprüht, die Luft trägt die Flüssigkeit überall hin. Unsere Kleidung ist feucht von den Spritzmitteln“, erzählt Marai Balie.

Für die Kellereien und Weinfarmen aus Südafrika war es angeblich 2015 schwer, im Geschäft zu bleiben: Nur 15 Prozent der Weinfarmen waren profitabel, 49 Prozent machten kaum Gewinn, 6 Prozent konnten keinerlei Gewinne verzeichnen und 30 Prozent machten Verluste, die sie zum Umstieg zwangen – zum Beispiel auf Zitrusfrüchte.

Colette Solomon Oxfam 3
„Solidarität von Farmerehefrauen und Farmarbeiterinnen gibt es nicht“
Colette Solomon, Chefin von Women on Farms

Warum also sind nicht die Weinfarmer auf den Barrikaden, bieten den Supermarktketten die Stirn und lassen sich stattdessen auf einen Preiskampf ein, der nichts bringt? „Sie haben ihre Verbände, ihre Dachorganisationen, ihre Handelsgesellschaften, – sie sorgen schon dafür, dass sie weiterhin reich bleiben.“ Colette Solomon, Direktorin von Women on Farms, weiß dass wenn Verluste passieren, wenn Einsparungen sein müssen, dann auf Kosten der Arbeiterinnen.

Auch deshalb ruft Oxfam nicht zum Boykott auf, ebenso die Organisation Women on Farms. Viele Frauen in Südafrika würden dadurch ihre Arbeitsplätze verlieren. „Stattdessen versuchen wir, die deutschen Konsumenten zu aktivieren: Sie sollen in den Supermärkten nachfragen und von Konzernen und der deutschen Regierung einfordern, dass die Produkte, die sie im Supermarkt kaufen, nicht unter Verletzung der Menschenrechte der Arbeiterinnen und Arbeitern in den Produktionsländern hergestellt werden.“ So Annika Zieske, Pressesprecherin von Oxfam Deutschland.

Ob der Wein aus Südafrika dann überhaupt noch schmeckt? Wenn man Marai Balie, Colette Solomon und Roseline Engelbrecht glauben darf, dann ist die Situation der Arbeiterinnen auf den Weinfarmen in den Provinzen Nord- und Westkap tatsächlich immer problematisch. Und überall greift der gleiche Mechanismus: Sinken Exportpreise oder die Exportmenge, verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen im südafrikanischen Traubenanbau – gerade für Frauen. Durch den Abbau von Festanstellungen und die Zunahme von Saisonarbeit und Gelegenheitsjobs. Das belegt auch die Studie von Oxfam unter dem Titel „Billig verkauft – Teuer bezahlt.“ (emh)

Women on Farms
www.wfp.org.za, www.oxfam.de