Fotos: WIBES Agentur Aufmacher eins44
eins44

Selbstbewusste Neuerfindung

Das eins44 in Neukölln hat sich neu aufgestellt. Mit einem neuen Küchenduo beweist das Team um Jonathan Kartenberg, dass zeitgemäßes Fine Dining zugänglich sein kann

Hinz, Tanneberger, Leyer und Kartenberg eins44-Team

Anfang letzten Jahres herrschte noch Aufbruchsstimmung und ein wenig Ratlosigkeit. Jonathan Kartenberg (Foto, rechts) hatte das Ende des Restaurants in seiner bisherigen Form eingeläutet, weil er sich im alten Konzept angesichts der Branchenkrisen und seiner eigenen Haltung nicht mehr wiederfand. Er holte sich die beiden renommierten Köche Tim Tanneberger (2.v.l.) und Sebastian Leyer (3.v.l.) ins Boot, um eine neue Richtung einzuschlagen. Die beiden experimentierten dann eine Zeit lang unter dem Motto Kantine, einer Kombination aus Fine Dining und Hausmannskost. Irgendwie war es das auch nicht; es fühlte sich noch nicht ganz stimmig an.

eins44

Wilde Zeiten waren es, und im besten Sinne sind sie es noch heute. Denn das Resultat dieser Phase beweist: Ein reduziertes, fokussiertes Menü, preislich fair kalkuliert, erweist sich in diesen Zeiten als Erfolgskonzept. Tanneberger und Leyer haben Freude daran, Konformität abzulegen, und vollführen spielerisch einen kulinarischen Innovationsschub.

Beim Amuse-Gueule macht die aufgeschlagene Pilzbutter Appetit, während die würzigen Cracker deutlich in die neue Richtung weisen. Das butterzarte Carpaccio vom Rinderrücken (Foto) bekommt mit einem Muschelhonig und Pinien­aroma – Tannenhonig wird mit Miesmuschelsud aufgekocht – eine ungewohnte Aromatik. Darauf kann man sich gut einlassen. Das Hirsch-Dürüm mit Lardo und Rotkohl (großes Foto oben) gehört zu den gelungensten Neuinter­pretationen des türkischen Klassikers. Beim Fischgang zeigt sich Mut zur Eigenwilligkeit: Der Stör wird mit einem Hauch Kamillepuder auf der Hollandaise serviert – ein Wagnis, das zur Diskussion einlädt. Umso mehr, als die beiden Köche ihre Gerichte selbst an den Tisch bringen und so den formellen Rahmen charmant aufbrechen.

Ruhender Pol in diesem lebendigen Konzept bleibt Serviceleiter Hannes Hinz (Foto, links). Unaufgeregt und aufmerksam sorgt er für eine entspannte Atmosphäre und zeigt Präsenz ohne Pose. Diese Kombination aus Nonkonformität und Verlässlichkeit macht das Restaurant im dritten Hinterhof zu einer der spannendsten Adressen in Neukölln, vielleicht sogar auch für Berlin. (emh)

eins44
Elbestraße 28/29, III. Hinterhof, Neukölln, www.eins44.com,
Di–Sa 18–22 Uhr, Fünf-Gänge-Menü für 64,20 € brutto, Glas Wein (0,1 l) ab ca. 8 €,
das aktuelle Menü finden Sie unter www.eins44.com/menue


Auf Facebook teilen    Per Mail teilen     Auf LinkedIn teilen