Starkoch Assaf Granit, Foto: Tammy Bar Shay Aufmacher Berta
Berta

Nichts für Spaßbremsen

Es ist ein bisschen wild, es menschelt angenehm und bringt ungewohnte Lebensfreude nach Berlin. Im Restaurant Berta ist Essen gehen auch Party machen

Ist es israelische Küche die Assaf Granit offeriert? Der Küchenchef ist für weltweit 16 Restaurants verantwortlich. Trotzdem will er versuchen, jeden Monat in sein neues Restaurant Berta zu kommen. In der Eröffnungsphase steht er abends am Pass der offenen Küche. Um ihn herum tobt das Leben bzw. die Köche und Köchinnen arbeiten ununterbrochen. Manchmal rufen sie zwischendurch eine Art Parole zur Motivation.

Zu Assaf Granit und der Frage nach der israelischen Küche: Der Mann hat eine besondere Beziehung zu Berlin, in der seine Großmutter Berta gelebt hat, bevor sie nach Tel Aviv auswandern musste. Der Grund ist wohl klar. Und so sind seine Gerichte von der Kochkunst seiner Großmutter inspiriert, es sind „Gerichte am Schnittpunkt zweier Welten“.

Foto: emh Weinempfehlung

Chefkoch Assaf Granit und die „JLM Machneyuda“-Gruppe sind kluge Köpfe. Im Vergleich zu anderen weltweit agierenden Gastronomie­unternehmen stülpen sie nicht einfach ein Konzept über die deutsche Hauptstadt, die, wie wir alle wissen, anders tickt als andere Metropolen. Sie kreieren eine Verbindlichkeit zum jeweiligen Standort mit Storytelling und der Individualität der Protagonisten. Und gerade in der Startphase setzen sie auf Professionalität.

„Das Team aus Paris wird bis zu den Ferien in Berlin bleiben und dann Mitte Januar zurückkommen. Jeden Monat wird eine andere Person von den inter­national verant­wortlichen Fachleuten bleiben, um das lokale Team bis zur Perfektion zu bringen“, so Sprecherin Laure Munsch. Im Team sind gefühlt unzählige Menschen in den verschiedensten Positionen – von der Marketing-Chefin über die Sommelière, die einen hervorragenden Muscadet empfiehlt, dem Restaurantleiter aus Paris und vielen, vielen Kellnerinnen und Kellnern – und alle sind freundlich und zugewandt, wie man es in Berlin selten erlebt.

Fotos: Jörg Lehmann Berta-Teller 1

Berlin trifft Jerusalem auch kulinarisch. Bei den Vorspeisen sind es zwei Gerichte, die einen regionalen Bezug herstellen. Das eine nennt sich Weißkohlkugel, das andere ist ein Brandenburger Salat. Bei den Hauptgerichten ist es das Lamm, das man noch in hiesige Gefilde verorten könnte. Die zahlreichen Saucen dazu sind eben israelisch mit z.B. marokkanischen Einflüssen. Die Gerichte sind mit auffällig vielen frischen Kräutern aromatisiert und niemals überwürzt. Aber alle Gerichte können morgen schon wieder anders sein. Die Gäste und deren Vorlieben spielen die Hauptrolle bei der Konzeption der Karte.

Berta-Teller 2

Als Signature Dishes bleiben: Kreplach, eine Teigtasche gefüllt mit Parmesan, Miesmuscheln, knusprigem Speck in einer Sauce aus regionalem Bier und Milchschaum. Dann das Blumenkohl-Schnitzel mit BBQ-Sauce und purem Tahini sowie das Dessert, ein Schokoladenmousse mit Kardamom-Kaffee-Streusel und Olivenöl sowie Salz.

Unsere Autor*innen haben nach ihren Reisen nach Jerusalem und Tel Aviv von diesem Phänomen berichtet, jetzt also passiert das auch in Berlin: Es herrscht Partystimmung. Ungewohnt laute Musik, die Shots, die immer mal wieder ausgegeben werden und lustiges Interieur. An einer Wand hängen die Porträts der Großmütter aller Mitarbeiter*innen, an anderen Sammelteller aus den 60er, 70er Jahren, in manchen Regalen stehen Vasen aus derselben Zeit, die Säulen sind mit Tüllgardinen behängt – und doch passt alles.

Und auf dem Weg zur Toilette tanzt man kurz mit der Marketing-Chefin und freut sich ganz einfach über diesen Moment der unbeschwerten Lebensfreude. (emh)

Berta
Stresemannstraße 99, Kreuzberg, Tel. 0162 886 18 27, www.bertarestaurant.com, Mo-Sa ab 18.30 Uhr