Nicolas Avolos und Antonio Di Santo, Fotos: Cosimo Bellanova, foodgraphy.eu Aufmacher Zum heiligen Teufel
Zum heiligen Teufel

Anders italienisch

Allein schon der Name Zum heiligen Teufel bereitet auf außergewöhnlichen Genuss vor. Zwei Italiener zeigen, wie Avantgarde mit Klassik harmoniert

Zu finden ist diese Adresse nur mit dem festen Glauben an die Kolleg*innen, die dieses Restaurant empfohlen haben. In dieser Ecke Kreuzbergs vermutet man alles, nur kein ausgesprochen gutes Restaurant. Und dann ist die Fassade auch noch komplett eingerüstet. Also an Vorbehalten mangelt es nicht. Aber angekommen und in dem überschaubaren Raum Platz genommen, sind diese schnell vergessen. Ein Glas guter Prosecco und die Karte machen neugierig. Die Vorspeisen lesen sich so wie es in einem durchschnittlichen Restaurant eben sein soll, die Pastagerichte ebenso. Letztere klingen nicht ganz so überzeugend. So fällt die Wahl erst mal auf fast alle Kleinigkeiten wie Pane e Burr’Olio, das ist Sauerteigbrot mit Butteröl, sowie Stracciatella. Das hat nichts mit dem Eis zu tun, sondern ist ein spezieller Käse, der mit fein gewürfelten Tomaten, Rucola und Zwiebeln geschichtet ist, mit einem Brotchips als Deckel. Es sind einfache Zutaten, aber geschmacklich perfekt. Genauso wie das Parmigiana di Melanzane, an dem Auberginenauflauf gibt es nichts zu mäkeln.

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Doch das Vitello Tonnato ist eines der besten Varianten überhaupt: dünn geschnittene, rosa Kalbfleischscheiben mit einer Creme, die nicht annähernd an Mayonnaise erinnert, gepudert mit Kapernstaub. Ein Glücksfall. Beim Hauptgericht fällt die Wahl auf Makrele von der tagesaktuellen Karte. Das Filet kommt auf einer roten Creme auf den Tisch und irritiert die Geschmacksnerven. Denn es ist nicht wie vermutet eine fermentierte Tomatenpaste, sondern eine spezielle Paprika-Creme. Ein außergewöhnliches Spiel mit dem fetten Fisch und der leicht bittrigen Note der Paprika.

Zum heiligen Teufel 2

Am Nebentisch werden die Pastagerichte serviert – und ein wenig neidisch wird der Vorsatz getroffen, das nächste Mal diese zu bestellen. Das Dessert, ein Tiramisu – es kommt in einem Töpfchen daher –, ist eine klassische Variante. Der Rotwein hingegen, ein Barolo, hat wiederum einen sehr speziellen Charakter, der, nachdem er Luft bekommen hat, durchaus zugänglich die Speisen begleitet. Bei einem ersten Besuch sollte man unbedingt das Gespräch mit Nicolas Avolos suchen. Er erklärt und bereitet die Gäste auf den speziellen Genuss vor, während Antonio Di Santo die Küche managt. Ach, und der Name beruht auf dem Sprich­wort: „Der Teufel macht die Töpfe, die Deckel hat der Heilige“. (emh)

Zum heiligen Teufel
Lübbener Straße 23, Kreuzberg, Tel. 030 69 00 11 26, www.zumheiligenteufel.de, Di-Fr 12-16 Uhr + 18-22 Uhr, Mo+Sa 18-22 Uhr, Speisen ab 8 €, Flasche Wein ab 30 €